(drd) Diessenhofen hat einen neuen Ruhewald. Es ist ein würdevoller Ort für die Bestattung von Menschen und Tieren und er dient allen, unabhängig von Religion und Wohnort. Er liegt am nördlichen Rand des Rodenbergs und gehört der Bürgergemeinde. Sie lud am vergangenen Sonntag zu einer besinnlichen Einweihungsfeier ein.
Rund siebzig Gäste sassen auf Festbänken beim Forstwerkhof. Renzo Mascherin begrüsste sie mit einer humorvollen Rede. «Ich vertrete den Präsidenten der Bürgergemeinde Roger Birk. Er konnte gesundheitshalber nicht kommen. Jetzt müsst ihr mit meiner hemdsärmeligen Begrüssung vorliebnehmen», sagte er und dankte allen Beteiligten, vor allem Alfred (Fidel) Reutimann. Er ist in der Verwaltung der Bürgergemeinde für den Wald zuständig. «Das Projekt ist ihm ans Herz gewachsen», so Mascherin.
Ökumenischer Gottesdienst zum Thema Wald
Karin Schmid-Müller, Evangelische Pfarrverweserin, und Robert Weinbuch, Leiter des Katholischen Pastoralraums am See und Rhein, hielten bewegende Predigten. Sie sprachen zum Thema Wald und verglichen die Bäume mit dem Kreislauf des Lebens. «Die Eiche steht für Beständigkeit und die Buche mit ihrem Blätterdach für einen schützenden Raum», so Schmid-Müller. In Bezug auf die Waldbestattung sagte Weinbuch «Es ist gut, dass der Mensch der Natur zurückgegeben wird». Viel Musik gab dem Anlass eine festliche Note. Die Stadtmusik Diessenhofen spielte besinnliche und fröhliche, rhythmische Stücke, darunter einen rassigen Marsch, und sie begleitete den Gemeinschaftsgesang.
Nach dem Gottesdienst sagte Mascherin «jetzt müssen Sie laufen». Reutimann und Peter Jenny führten die Gäste am Waldrand entlang zum Ratzehüsli und von dort zu einer Douglastanne. Jenny ist Inhaber eines Bestattungsunternehmens in Hörhausen. Neben diesem prächtigen Baum hatte er ein siebzig Zentimeter tiefes Loch gegraben. Daneben stand ein kleiner, mit einem roten Tuch bedeckter Altar und darauf eine Urne. Sie ist aus unbehandeltem, biologisch abbaubarem Holz. «So richte ich den Platz für eine Wald-Bestattung ein», erklärte Jenny. Normalerweise besammelt sich die Trauergemeinde beim Ratzehüsli oder Werkhof, dann geht man gemeinsam zum Grab. «Wo und wie die Abdankungsfeier stattfindet, bestimmen die Hinterbliebenen», erklärt er. Schmuck wie Kerzen, Blumen oder Tafeln sind nicht gestattet. Seine Leistungen stellt Jenny der Gemeinde in Rechnung. In Diessenhofen übernimmt die Politische Gemeinde alle Kosten im Zusammenhang mit einer Beerdigung, sei es auf dem Friedhof oder im Wald.
Ein würdevoller Rahmen für die letzte Ruhe
Die Bürgergemeinde stellt einen schönen Mischwald für die würdevolle Bestattung von Menschen und Tieren zur Verfügung. Er liegt zwischen der Feuerstelle Ratzehüsli und dem Forstwerkhof. Die für Bestattungen ausgewählten Bäume erkennt man an einem Band um den Stamm. Ein blaues Band bedeutet, dass hier die Asche von Menschen beigesetzt wird und ein schwarzes jene von Tieren. Bäume, bei denen noch keine Reservation vorliegt, haben ein grünes Band. Mit einer kleinen Plakette am Stamm werden die Bäume nummeriert. Es sind einundvierzig Bäume mit je acht Bestattungsplätzen, darunter Buchen, Eichen, Föhren, Bergahorn und Douglastannen. Die Liegezeit beträgt fünfzig Jahre. «Die Preise variieren stark. Massgebend sind drei Kriterien; der Durchmesser des Baumes, je kleiner, desto günstiger, die Lage des Baumes, je näher am Weg, umso teurer, und die Baumart. Die einfache Buche ist deutlich günstiger ist als eine Douglastanne. Diese hat mehr Charakter», erklärt Reutimann. Für Einwohner und Einwohnerinnen von Diessenhofen kosten die günstigsten Plätze etwa 400 Franken und der teuerste, bei einer Douglastanne, kostet 2174 Franken. Auswärtige zahlen etwas mehr und Mitglieder der Bürgergemeinde weniger. Gebührenliste und Anmeldeformulare siehe Homepage «Ruhe im Wald der Thurgauer Bürgergemeinden».
Mit dem neuen Ruhewald hat die Bürgergemeinde einen Ort geschaffen, an dem sich der Kreislauf des Lebens im Einklang mit der Natur widerspiegelt.









