(at) Über 80 Besucher, mehr als Stühle bereitstehen, fanden sich kurz vor 20.00 Uhr im Wielsaal der Primarschule Müllheim zur Mitwirkungsveranstaltung bezüglich der Ortsplanungsrevision ein. Neugierig, interessiert und teilweise mit Schreiber und Notizblock warten sie auf die Infos, die nebst Gemeindepräsident Urs Forster, Christoph Brugger, Projektleiter für Raumplanung von bhateam ingenieure ag, präsentieren. «Sie müssen sich nicht alles merken oder aufschreiben», erklärt Forster den Anwesenden. Ab Donnerstag, 29. Oktober, bis zum 30. November liegen alle Informationen auf der Gemeindeverwaltung auf. Zusätzlich werden sie auf der Homepage der Gemeinde aufgeschaltet.
Einführung
Nach einer kurzen Einführung in das Thema der Ortsplanung aus Sicht der Gemeinde von Urs Forster erklärt Brugger den fachlichen Teil und die Grundlagen der Ortsplanungsrevision bis zum Baureglement ausführlich und detailliert. Er zeigt auf, was wann geschehen war und wie in Zukunft die Ortsplanung ablaufen wird. So datiert die letzte ordentliche Revision des Ortsplans aus dem Jahre 1993. Die Grundlagen bilden unter anderem das Wachstum, Bevölkerung etc. Der Richtplan muss die diversen Bedürfnisse, welche die Themen Siedlung, Verkehr, Natur und Landschaft berücksichtigen, abbilden. «Er ist ein strategisches Instrument», erfahren die Anwesenden. «Für sie als Grundeigentümer ist der Zonenplan und das Baureglement wichtig», erklärt Brugger. «Es definiert, was ihnen erlaubt ist, ob eine Gefahr zu beachten ist etc.
Schiessausbildungszentrum benötigt Zonenplanänderung
So benötigt das Gebiet Heckenmos, welches zurzeit als spezielle Arbeitszone ausgewiesen ist, eine Zonenänderung. Dies, damit die geplante Schiessanlage für die Jäger und Polizei realisiert werden kann. Eine separate Informationsveranstaltung wird am 3. November an besagter Örtlichkeit durchgeführt. Für Fragen stehen an diesem Abend, welcher um 19.30 Uhr beginnt, Jürg Zingg, Kommandant der Kantonspolizei Thurgau, Barbara Zeleny, Kantonsbaumeisterin und weitere Experten interessierten Besuchern Rede und Antwort.
Um- und Auszonungen
Brugger erklärt die geplanten Umzonungen. Die 32 vorgesehenen Umzonungen in der Gemeinde werden erforderlich, weil Anpassungen zum Beispiel bei einer neuen Strassen- oder Parzellengrenze notwendig werden.
Emotionaler und mit mehr Klärungsbedarf geht es bei der Kleinsiedlungsverordnung weiter. So ist vorgesehen, dass Langenhart Nord und Tonisberg keine Kleinsiedlungen mehr wären und zurück in die Landwirtschaftszone gestuft würden. Dies bedeutet für die betroffenen Grundeigentümer, dass ihr jetziges Land an Wert verliert.
Zwar ist von Seite des Kantons eine Entschädigung vorgesehen. Diese sei jedoch minimal, erklärt Brugger.
Müllheim hat bei den Einzonungen noch Potenzial
Bei den Einzonungen hat Müllheim noch Potenzial. So hat zum Beispiel der Rappebärg, der von der Dübingerstrasse eingerahmt wird, etwa 5000 Quadratmeter, die eingezont werden könnten. Einzonungen sind aber nur dann möglich, wenn die Kompensation der Fruchtfolgeflächen sichergestellt ist. Kritische Fragen kommen nach der Präsentation. So rechnet eine Anwesende das Bevölkerungswachstum vor. «Im Jahr 2000 betrug die Bevölkerung rund 2400 Einwohner. Wenn das angestrebte, moderate Wachstum der Gemeinde so weitergeht, sind wir im Jahr 2100 eine Stadt», prognostiziert sie. «Ein moderates Wachstum ist nötig und das von der Gemeinde vorgesehene Wachstum ist sehr moderat», bemerkt ein anderer Votant.
Zeitplan
Ziel ist laut Forster, dass im Februar 2027 die öffentliche Auflage, zu der Einsprachen möglich sind, aufliegt. Danach soll an einer Gemeindeversammlung im Mai oder Juni nächstes Jahr, die Gemeindeversammlung darüber befinden können. «Dann muss der Kanton, das Departement für Bau und Umwelt sein Okay geben», erklärt Forster. Kurz vor 22.00 Uhr ist die Veranstaltung beendet. Jedoch nicht die Diskussion. Diese wird vor der Wielhalle engagiert weitergeführt.









