(dlü) Die beiden Lamas, die auf einer grossen Weide zwischen Salenstein und dem Eugensberg die Schafe hüteten, blickten verwundert: So viele Menschen zugleich hatten sie auf dem Wanderweg, der Richtung Berlingen führt, noch nie gesehen. Und das an einem nebligen Samstagmorgen. Was sie nicht wussten: Die Gemeinde Salenstein hatte die Bevölkerung zur Eröffnung der sanierten Ruine Sandegg eingeladen. Nachdem Teile der nordwestlichen Mauern in den Jahren 2004 und 2006 eingestürzt waren, war die Anlage aus Sicherheitsgründen gesperrt worden.
Die Ruine Sandegg ist gerettet
Nach rund 20 Jahren des Verfalls fand am vergangenen Samstag die Eröffnung der frisch sanierten Sandegg statt. Bruno Lorenzato, Gemeindepräsident sowie Präsident der Baukommission, begrüsste die rund 150 Besucherinnen und Besucher. In seiner Rede würdigte er den grossen Einsatz aller Beteiligten. Hansjörg Brem, dem langjährigen und seit rund einem Jahr pensionierten Amtsleiter des Thurgauer Amtes für Archäologie, dankte er für sein langjähriges Engagement für den Erhalt der Ruine Sandegg.
Erfolgreiche Teamarbeit
In Zusammenarbeit mit einem archäologischen Team stellten Baufachleute die Aussichtsplattform wieder her. Für den Aufbau der beschädigten Anlage bargen sie unter anderem historische Sandsteinquader, die den Hang hinuntergestürzt waren. Wo immer möglich, verbauten die Baufachleute ursprüngliches Material wie Bodenplatten oder Zierkugeln erneut. Rorschacher Sandstein ersetzte fehlende Elemente. «Ein herzliches Dankeschön auch an unsere Nachbargemeinde Berlingen», sagte Lorenzato, nachdem er die Mitglieder der Baukommission verdankt hatte. Die Firma Steinschneider aus Berlingen, die mit den Steinmetzarbeiten betraut war, offerierte feine Steinofenpizzas, während die Dixieband «Heugümpers & Velopümpers» mit fetzigem Sound aufwartete.
Ein Ort mit Perspektive
«Heute haben wir allen Grund zur Freude», erklärte Lorenzato strahlend. «Die Öffentlichkeit hat wieder Zugang zur Sandegg.» Sie gehöre nun nicht mehr nur der Vergangenheit an, sondern auch der Zukunft. Dr. Simone Schmid, Amtsleiterin des Thurgauer Amtes für Archäologie, erzählte in ihrem Grusswort von der ersten Begegnung mit Bruno Lorenzato auf der beschädigten Plattform. «Bruno sagte zu mir, er möchte das magische Gefühl nochmals erleben, das er als Kind hier oben auf der Ruine hatte», sagte Schmid. So müsse sich Fliegen anfühlen. «In unserer heutigen Welt brauchen wir Orte mit Perspektiven», erklärte sie weiter. Die Sandegg sei einer dieser Orte.
Wanderweg wieder frei begehbar
Anschliessend spannte Simone Benguerel, Leiterin der Abteilung Archäologie, den Bogen von der verfallenden Ruine bis zur heutigen Feier. «Das wahre Ausmass des Verfalls zeigte sich im Keller der Sandegg», sagte Benguerel. Aufgrund der eingefallenen Gewölbe und fehlenden Mauern war auch der direkt unterhalb der Sandegg liegende Wanderweg zwischen Salenstein und Berlingen unpassierbar. Zu gross war die Gefahr von herunterstürzenden Teilen. Im Keller sei nun sehr schön zu sehen, wie Altes und Neues miteinander verbunden worden seien.
Traurig über den Abschluss
Abschliessend berichteten Bauleiter Charles Keller sowie Polier Gabriel Rüedi von ihren Erfahrungen während der Sanierung. «Die grösste Herausforderung war die Arbeitssicherheit», erklärte Keller. Zehn Kubikmeter altes Steinmaterial seien gehoben und gesichtet worden. «Ich habe bisher noch nie so eine gute Zusammenarbeit mit allen Beteiligten erlebt wie bei diesem Projekt», erklärte Rüedi. Er sei ein wenig traurig, dass die Sanierung nun abgeschlossen sei. Im Anschluss boten die beteiligten Fachleute Einblicke in die Geschichte der Sandegg sowie in die Sanierung und Sicherung der Anlage. Die drei Kellerräume, die neu beleuchtet sind, stammen aus unterschiedlichen Epochen – vom Mittelalter bis zur Zeit Napoleons. Fasziniert lauschten die Besuchenden den Ausführungen von Charles Keller und Gabriel Rüedi. Froh über die Gelegenheit, sich zu stärken, verpflegten sich die Anwesenden anschliessend mit den offerierten Pizzas, Grilladen und Getränken.
Traumhafter Ausblick
Gut möglich, dass die zwei Lamas in Zukunft wieder mehr Wanderern begegnen, die die Strecke von Salenstein nach Berlingen oder zurück unter die Füsse nehmen. Mit einem Zwischenhalt auf der Sandegg, um den herrlichen Ausblick über den Untersee bis zur Höri zu geniessen.









