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Aktuell

Mit grosser Leidenschaft fürs Velo

Der Unternehmerapéro in Steckborn zeigte, wie Velokultur, Tourismus und regionale Wirtschaft zusammenspielen können

 

Die Stadt Steckborn mit Stadtrat Marc Hoksbergen (links) und Stadtpräsident Moritz Eggenberger (rechts) hatten zum Unternehmerapéro zwei Fachreferenten, Peter Imbach (2vl) und Lars Hähni, eingeladen.

(ol) Das Velo hat sich in den vergangenen Jahren vom einfachen Fortbewegungsmittel zu einem vielseitigen Freizeit-, Sport- und Verkehrsmittel entwickelt. Besonders das Mountainbike erfreut sich wachsender Beliebtheit. Diese Entwicklung bietet auch für Gemeinden und Regionen wirtschaftliche Chancen. Gleichzeitig entstehen neue Herausforderungen, wenn immer mehr Menschen mit dem Velo unterwegs sind. Wie der Thurgau mit dieser Entwicklung umgehen will und welches Potenzial sich daraus für Steckborn ergeben kann, stand im Mittelpunkt des Unternehmerapéros vom vergangenen Donnerstag in der Aula des Feldbachschulhauses. Die Gemeinde Steckborn hatte zum Traditionsanlass eingeladen. Stadtpräsident Moritz Eggenberger begrüsste 55 Unternehmerinnen und Unternehmer. Im Zentrum standen zwei Referenten mit unterschiedlichen Blickwinkeln: Lars Hähni, Geschäftsführer der Bike Station GmbH in Steckborn, und Peter Imbach, Abteilungsleiter im Tiefbauamt des Kantons Thurgau. Während Hähni die Bedeutung des Velos aus Sicht eines regionalen Fachgeschäfts beleuchtete, informierte Imbach über die kantonalen Pläne für ein Mountainbikekonzept. Stadtrat Marc Hoksbergen nahm kurz Stellung zum Thema Langsamverkehr. Er erklärte, dass der Stadtrat das Mountainbikekonzept des Kantons unterstütze. Für einen kurzen Moment sorgte zudem die Frage für ein Schmunzeln, worin der Unterschied zwischen einem Velo und einem Bike bestehe. Die Antwort von Lars Hähni war: «Beide Begriffe meinen dasselbe». 

Vom Velo zur regionalen Wertschöpfung

Für Lars Hähni ist das Fahrrad mehr als ein Verkaufsartikel. Die Bike Station GmbH mit Hauptsitz in Wigoltingen und einem weiteren Fachgeschäft an der Seestrasse bietet Fahrräder, E-Bikes und Mountainbikes sowie Beratung, Service und Reparaturen an. Hähni machte deutlich, dass er beim Velokauf herausfinden wolle, wofür ein Kunde oder eine Kundin das Fahrrad tatsächlich benötigt. Steckborn und die Region rund um den Untersee verfügen aus Hähnis Sicht über gute Voraussetzungen für eine weitere Entwicklung der Velokultur. Die Landschaft bietet attraktive Strecken und zahlreiche Ausflugsziele. Davon kann nicht nur die Velobranche profitieren. Wer mit dem Fahrrad unterwegs ist, kehrt unterwegs in einem Restaurant ein, übernachtet möglicherweise in einem Hotel oder nutzt weitere touristische Angebote. Damit wird das Velo auch zu einem Faktor für die regionale Wertschöpfung.

Mountainbiken braucht Regeln

Dass die zunehmende Nutzung Konflikte mit sich bringt, zeigte Peter Imbach auf. Im Thurgau besteht eine aktive Mountainbike-Szene. Gleichzeitig treffen im Wald verschiedene Interessen aufeinander. Mountainbiker, Spaziergänger, Forstwirtschaft, Jagd, Landwirtschaft, Naturschutz und Waldeigentümer haben unterschiedliche Ansprüche. Der Regierungsrat hat deshalb das kantonale Tiefbauamt mit der Erarbeitung eines Mountainbikekonzepts beauftragt. Es soll eine gesetzliche Grundlage schaffen, um das Angebot zu koordinieren und langfristig weiterzuentwickeln. Geplant sind attraktive, legale Angebote für unterschiedliche Zielgruppen. «Das Konzept ist für Freizeitbiker gemacht», so Imbach. Angedacht sind rund 100 Kilometer Trails in fünf Mountainbike-Regionen. Bis daraus konkrete Strecken werden, müssen noch Fragen geklärt werden. Signalisation, Zuständigkeiten und die Zusammenarbeit mit Gemeinden, Grundeigentümern, Landwirtschaft, Forst und Naturschutz spielen eine wichtige Rolle. Das Projekt befindet sich noch in einer frühen Phase. «Bisher haben wir noch keine Grundeigentümer befragt, ob es möglich ist, durch deren Wälder zu fahren», sagte Imbach. Die Umsetzung ist somit nur im Dialog mit den Betroffenen möglich. Die geplanten Trails sind mehrheitlich nicht für «schnelle» E-Bikes vorgesehen. Auch hier braucht es klare Regeln und Zielgruppen. Derzeit soll der Grosse Rat über das Konzept befinden.

Velowegnetz bis 2042

Nicht nur das Mountainbike, sondern der Veloverkehr insgesamt soll im Thurgau weiterentwickelt werden. Das Veloweggesetz verpflichtet den Kanton, sein Velowegnetz bis 2042 auszubauen. Steckborn könnte davon profitieren. Die Lage am Untersee, die Landschaft und die touristische Infrastruktur bieten gute Voraussetzungen. Dies könnte ein Wirtschaftsfaktor für Steckborn sein. Bis zur Umsetzung braucht es viel Geduld. Beim anschliessenden Apéro tauschten sich die Gäste in anregenden Gesprächen aus.

 

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