(ol) Wie steht es um die finanzielle Situation in der Gemeinde? Der Gemeinderat und rund 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer beschäftigten sich vergangenen Mittwochabend am Informationsanlass in der Alten Turnhalle mit diesen Fragen. Anschliessend an die kurze Information zur rechtlichen Grundlage der Gemeinde wurden in einem Fachreferat die Finanzen der Gemeinde aus Sicht der politischen Behörde und der Wissenschaft beleuchtet. Gemeindepräsident Pascal Berwert informierte über die geplanten Anpassungen der Gemeindeordnung aus dem Jahr 2003. Berwert sagte: «Wir schaffen mehr Klarheit und regeln die Zuständigkeiten». In fünf Bereichen kommt die bisher überarbeitete Gemeindeordnung übersichtlich daher, Inhalte sind leicht auffindbar. Eine Vorprüfung hat der Kanton Thurgau bereits vorgenommen.
Grosse Geschäfte über eine Million Franken kommen an die Urne. Über Einbürgerungen entscheidet der Gemeinderat. Was bleibt, ist wie bisher die Gemeindeversammlung zur Abnahme von Rechnung und Budget und Steuerfuss. Die Gemeindeordnung bildet eine wichtige Grundlage für die Organisation und die politischen Abläufe innerhalb einer Gemeinde. Entsprechend haben Anpassungen Auswirkungen darauf, wie die Gemeinde ihre Aufgaben wahrnimmt und wie Zuständigkeiten geregelt sind.
Berwert erläuterte den Anwesenden die vorgesehenen Anpassungen und informierte über das weitere Vorgehen. Gleichzeitig betonte die Gemeinde die Möglichkeit zur Mitwirkung. Die Bevölkerung kann sich mit ihren Anliegen und Anregungen in den laufenden Prozess einbringen. Die Mitwirkungsfrist läuft bis 16. November 2026. Unterlagen sind auf der Homepage abrufbar unter www.eschenz.ch. Damit steht der Bevölkerung während rund zwei Monaten die Möglichkeit offen, die Vorlage zu prüfen und Rückmeldungen einzureichen. Berwert sagte: «Wir nehmen ihre Meinungen soweit rechtlich möglich, ernst». Die Mitwirkung soll es ermöglichen, unterschiedliche Sichtweisen aufzunehmen, bevor die weiteren politischen Schritte erfolgen. Für die Gemeinde ist die Überarbeitung der Gemeindeordnung damit nicht nur eine formale Angelegenheit. Sie betrifft die Grundlagen, nach denen die politische Arbeit und die Organisation der Gemeinde funktionieren. Gemäss Gemeindepräsident stimmen die Eschenzerinnen und Eschenzer am 29. April 2027 an einer ausserordentlichen Gemeindeversammlung über die neu überarbeitete Gemeindeordnung ab.
Finanzen als zweiter Schwerpunkt
Gemeinderat Christoph Frei informierte über die finanzielle Situation der Gemeinde Eschenz und die aktuellen Herausforderungen. Eine fachliche Perspektive brachte Professor Dominik Just, Fachbereichsleiter für Finanz- und Rechnungswesen an der Fachhochschule Graubünden, ein. Er beurteilte die Gemeindefinanzen aus wissenschaftlicher Sicht als gut und zeigte Zusammenhänge zwischen Cashflow und den Investitionen der kommenden Jahre auf. Just sagte: «Stand heute: Sie haben gesunde Gemeindefinanzen». Übersteigen die Investitionen den Cashflow, müsse die Gemeinde Geld aufnehmen. Entscheidend sei dabei, wie lange das «Abzahlen» dauere. Verluste in der Jahresrechnung liessen sich mit den Abschreibungen erklären. Die Personalkosten seien in Eschenz nicht massiv gestiegen, erklärte der Referent, auffällig sei jedoch ein Anstieg des Transferaufwands auf über zwei Millionen Franken.
Just betonte die Bedeutung eines Finanzplans und empfahl dem Gemeinderat, vor der Budgeterstellung den Fünfjahresplan zu konsultieren. Gemäss Just vergessen viele Gemeinden, dies in aller Priorität zu tun. Gerade bei anstehenden Investitionen seien die flüssigen Mittel zentral. Bei Investitionen von 14 Millionen Franken müsse eine Gemeinde als logische Folge einen Kredit aufnehmen.
In Eschenz stehen mehrere grössere Projekte an: Der neue Werkhof soll 2028 rund 2,4 Millionen Franken kosten, die Planung beginnt 2027. Bis 2030 sind zudem die Sanierung des Gemeindehauses und des Mehrzweckgebäudes vorgesehen, mit Kosten von rund sieben Millionen Franken. Auf später angesetzt sind derzeit Investitionen von rund 1,5 Millionen Franken am Verkehrskonzept und Freibad. Just betonte jedoch, dass die Gemeinde ein Projekt vorverschieben könne. Christoph Frei stellte in Aussicht, dass im Budget 2027 keine Steuerfusserhöhung vorgesehen sei. Gemäss Frei wohnen in Eschenz viele ältere Steuerzahlende, was Auswirkungen auf die Finanzen habe. «Den Steuerfuss werden wir mit der Schulbehörde anschauen», sagte Frei.
Der Informationsanlass schaffte Transparenz und öffnete für viele Besuchende Sichtweisen auf die finanzielle Entwicklung der Gemeinde Eschenz.









