(max) «Als Vize-Gemeindepräsident konnte ich schon abschätzen, was auf mich zukommt, aber das ist natürlich nochmals ein anderes Paar Schuhe», sagt der parteilose Reto Vetter. Bereits 2007 wurde er in einer Ersatzwahl in den Gemeinderat gewählt und übernahm 2015 das Amt des Vize-Gemeindepräsidenten. Im vergangenen November setzte er sich bei der Ersatzwahl für die zurückgetretene Gemeindepräsidentin Marianna Frei im ersten Wahlgang mit einer Stimme über dem absoluten Mehr gegen seinen privaten Nachbarn Johann Gebert durch.
Das Verwaltungsteam formiert sich
«Die bisher grösste Herausforderung ist das Personalwesen», sagt Vetter. Im September hat die Gemeindeschreiberin Geraldine Strehler eine neue berufliche Herausforderung in Neunkirch (SH) angenommen. Seither wird die Verwaltung von Roland Brändli aus Steinach (SG) interimistisch geführt. Die Suche nach einer Nachfolge befindet sich inzwischen in der finalen Phase. Bei der Neubesetzung der Stelle möchte Vetter die Abläufe neu ordnen. Die Verwaltung soll den operativen Teil der Gemeindearbeit übernehmen, damit sich der Gemeinderat stärker auf strategische Fragen konzentrieren kann. Der neue Vize-Gemeindepräsident Pascal Langhart soll umfangreicher in die laufenden Geschäfte eingebunden und Franziska Vögeli, die neu in der Bauverwaltung tätig ist, auch in die Werkverwaltung eingearbeitet werden. «Wir haben mit Yvonne Bai und Fabio Castro zwei starke Player in der Verwaltung, die den Karren mitziehen», sagt Vetter, der bei einer sauberen Übergabe von Marianna Frei eine aufgeräumte Verwaltung übernommen hat. «Sie hat alles dokumentiert, was noch zu erledigen ist und ich habe diese Punkte priorisiert», sagt der neue «Präsi». Zu den anstehenden Aufgaben gehören gestaltungsplanpflichtige Parzellen ebenso wie Strassenbauprojekte, Gemeindewerke und Hochwasserschutz. «Obwohl die Gemeinde in den letzten drei Jahren gute Rechnungsabschlüsse hatte, muss sorgfältig mit den Finanzen umgegangen werden», betont Vetter. Dazu kommt, dass bei der letzten Gemeindeversammlung zwei Anträge für erheblich erklärt wurden. Zum einen muss der Gemeinderat eine Machbarkeitsstudie für den Bau einer Zweifach-Mehrzweck-Turnhalle auf dem Gemeindegebiet von Schlatt ausarbeiten und zum anderen die notwendigen Schritte einleiten, um das Pensum des Gemeindepräsidiums auf 100 Stellenprozent zu erhöhen. An einer extern begleiteten Klausurtagung will der Gemeinderat die entsprechenden Vorlagen für die Gemeindeversammlung ausarbeiten.
Zwischen Amtsstube und Schreinerei
Vetter beschreibt seinen Führungsstil als kollegial. Er wolle verschiedene Meinungen hören und sei auch bereit, diese anzunehmen. Am Ende bilde er sich jedoch seine eigene Meinung. Die Entscheidungen liegen letztendlich sowieso beim Gemeinderat und der Gemeindeversammlung. Vetter kennt die Grenzen des eigenen Handlungsspielraums. Viele Aufgaben würden von Kanton oder Bund vorgegeben und die Gemeinde sei in zahlreichen Bereichen lediglich Ausführungsorgan. «Obwohl wir vom Kanton Thurgau alles bekommen, was wir brauchen, fühlen wir uns manchmal vergessen hier unten», sagt Vetter, der Schlatt weder als Schwanz noch als Kopf des Kantons sieht.
Was ihn zunehmend beschäftigt, ist die Zusammenarbeit mit den kantonalen Stellen: «Der ‹Schwarze Peter› wird immer mehr von einem Amt ins andere verschoben». Gleichzeitig schätzt er es, dass er als Gemeindepräsident nun mehr Zeit hat, sich vertieft mit den verschiedenen Bereichen auseinanderzusetzen. Der gelernte Schreiner ist mit 60 Stellenprozent Gemeindepräsident und arbeitet zwei Tage in der Woche bei der Schreinerei A. Hartmann AG in Ossingen (ZH).
Der nächste Wahltermin steht an
Viel Zeit zum Durchatmen bleibt allerdings nicht. Im Februar stehen bereits die Gesamterneuerungswahlen der Behörden an, bei der die langjährige Finanzreferentin Dominique Bossert nicht mehr antritt. Zudem werden zwei neue Mitglieder und ein Suppleant für die Rechnungsprüfungskommission sowie zwei Personen für das Wahlbüro gesucht. Reto Vetter hofft, dass er auch in der nächsten Amtsperiode mit einer Verwaltung, die ihre operative Verantwortung wahrnimmt, einem Gemeinderat, der strategisch arbeitet, und einer Bevölkerung, die mit einbezogen wird, einiges für die Gemeinde Schlatt bewirken kann. Die ersten 100 Tage waren erst der Anfang.









