(drd) «Keine freien Plätze mehr» hiess es auf einem Plakat an der Haustür. Mit 50 Gästen war das erlaubte Maximum für den historischen Saal im Rathaus von Diessenhofen erreicht. Lucia Cavegn, Kulturbeauftragte der Stadt Diessenhofen, stellte den Referenten vor. «Ueli Peter war Primarlehrer in Stammheim. In Diessenhofen kennen wir ihn als OK-Präsidenten des Auffahrt-Rennens», sagte sie. «Für mich ist diese Gegend Heimat», erklärte Peter. Er erzählte, wie Tafeln an der Rheinbrücke und im Scharenwald sein Interesse an der Geschichte Diessenhofens zur Zeit der Helvetik weckten. In den Jahren 1798 bis 1803 kämpften die Armeen von Österreich, Russland und Grossbritannien gemeinsam gegen das Heer der Franzosen unter Napoleon Bonaparte. Das Städtchen Diessenhofen war keine Kriegspartei. Sein Pech war, dass es an einem strategisch wichtigen Rheinübergang lag. Jede am Krieg beteiligte Armee war abwechselnd in Diessenhofen und Umgebung stationiert, und zwang die Bevölkerung, sie mit Frondiensten, Nahrungsmitteln und Unterkunft zu unterstützen. Es begann im Oktober 1798 mit dem Einmarsch der Franzosen. Sie wurden acht Monate später durch die Alliierten, Österreicher und Russen, vertrieben. Die Alliierten zwangen rund eintausend Männer aus der Umgebung, einen Brückenkopf aus Wällen und Schanzen zu bauen. Nachdem die Allianz wegen Streitigkeiten auseinanderfiel, gelang im Oktober 1799 den Franzosen die Rückeroberung der Gebiete bis zum südlichen Rheinufer. Sie zerstörten die Schanzanlage. Ein Lehrpfad des Vereins Rheinkastell führt durch die Reste dieses gigantischen Bauwerks. Schwärzester Tag für Diessenhofen war der 9. Oktober 1799, als die Russen auf ihrer Flucht vor Napoleon die hölzerne Rheinbrücke anzündeten. Fünfzehn Jahre mussten sie mit Ponton-Brücken oder Fährbetrieb auskommen, bis sie eine neue Brücke bauen konnten. Die Franzosen bauten eine Brücke aus 30 Holzbooten, um ihre Feinde vom Nordufer des Rheins zu vertreiben. Die Boote waren vom Transport über Land ausgetrocknet, leckten und drohten zu versinken. «Die Soldaten holten Kinder aus den umliegenden Dörfern und zwangen sie, Wasser aus den Booten zu schöpfen. So gelang es den Franzosen, innert vier Stunden die gesamte Armee über den Rhein zu bringen», erklärte Peter. Im August 1800 zogen die Franzosen endgültig aus der Gegend ab.
Mit Leidenschaft auf Spurensuche
Peter arbeitete 41 Jahre als Primarlehrer im Stammertal. Seit acht Jahren ist er pensioniert. Das Stöbern in Büchern und Bildbänden ist eines der vielen Hobbys, denen er seit seiner Pensionierung frönt. Derzeit interessiert ihn besonders, wie die einfachen Bürger von Diessenhofen und Umgebung die Zeit der Helvetik mit ihren Kriegswirren, der Unsicherheit und den dramatischen Wendungen erlebten. Er fasste Aufzeichnungen aus neun Büchern zu einer spannenden Geschichte zusammen und erzählte sie mit Humor und Dramatik. Er schilderte die Ereignisse so anschaulich, als wäre er selbst dabei gewesen.
Vortrag wird am 12. November wiederholt
Auf Grund des Erfolges der Veranstaltung bat Lucia Cavegn den Referenten, den Vortrag zu wiederholen. Er findet am Donnerstag, 12. November, um 19.00 Uhr, im Museum kunst + wissen statt.









