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Aktuell

«Deine Zukunft beginnt vielleicht gleich um die Ecke»

An der zweiten Tisch- und Ausbildungsmesse in Stein am Rhein wurden Fragen rund um die Berufswahl geklärt

Zwei Berufe, viele Möglichkeiten: Ausbildner Florian Neukomm (links) mit den Lernenden David Schwaninger und Gion Reinhard. Die Firma Bantli bietet Ausbildungsplätze für angehende Schreiner und Zimmerleute an.

(tf) Welcher Beruf passt zu mir? Wo liegen meine Stärken und Interessen? Und welche Möglichkeiten bietet das Gewerbe direkt vor meiner Haustüre? Fragen, die Jugendliche vor der Berufswahl beschäftigen. An der zweiten Tisch- und Ausbildungsmesse in Stein am Rhein gab es am vergangenen Samstag darauf zahlreiche Antworten. Vom Berufswunsch einer angehenden Ärztin bis zum künftigen Polymechaniker wurde deutlich: Die berufliche Zukunft hält viele Wege bereit – und manchmal beginnt sie mit einem einzigen Gespräch. Aila Burek hat ein klares Ziel vor Augen: Sie möchte die Kantonsschule besuchen und später als Ärztin in einem Spital arbeiten. Sollte es mit diesem Weg nicht auf Anhieb klappen, kann sie sich vorstellen, zunächst einen medizinischen Beruf zu erlernen und ihren Traum später auf dem zweiten Bildungsweg zu verwirklichen. Ihre Freundin Lorina Xhoyhaj interessiert sich dagegen für eine kaufmännische Ausbildung, ist aber bei der Wahl der Branche noch offen. Die beiden gehören zu jenen jungen Menschen, für die ein Besuch der zweiten Tisch- und Ausbildungsmesse in der Mehrzweckhalle Schanz eine wertvolle Orientierungshilfe sein konnte. Auch an den Ständen gab es viel zu entdecken. Bei der Fostag AG informierten Christian Hiquera und Dien Zulfi über den Beruf des Polymechanikers. Dieser verbindet handwerkliches Geschick mit moderner Technik: Werkstücke werden mit höchster Präzision gefertigt, computergesteuerte Maschinen programmiert und komplexe Anlagen montiert. Ein Beruf, der weit mehr zu bieten hat, als manche Jugendliche vielleicht vermuten. Wie gefragt berufliche Ausbildungen sein können, zeigte das Beispiel der Phoenix Mecano. Das Unternehmen bildet insgesamt 17 Lernende in acht verschiedenen Berufen aus. Natalia Trauschein, HR-Generalistin des Unternehmens, berichtete nicht ohne Stolz, dass für das Ausbildungsjahr 2027 bereits bis auf eine Ausnahme alle Lehrstellen besetzt seien. Ihr Rat an die Jugendlichen: Wer sich frühzeitig mit der Berufswahl auseinandersetzt, hat gute Karten, einen passenden Ausbildungsplatz zu finden. Auch die Drogerie am Rhy in Wagenhausen nutzte die Messe, um auf ihren Ausbildungsberuf aufmerksam zu machen. Gegenwärtig werden dort zwei Drogistinnen ausgebildet, eine im ersten und eine im vierten Lehrjahr. Das Interesse am Beruf war erfreulich: Zwischen 15 und 20 Jugendliche informierten sich am Stand, mehrere erkundigten sich zudem nach Möglichkeiten für eine Schnupperlehre. Solche Begegnungen sind es, welche den besonderen Wert der Messe ausmachen. Ausdrücklich erwünscht war auch das eigene Ausprobieren: An verschiedenen Tischen konnten die Jugendlichen selbst Hand anlegen, Tätigkeiten testen und erste praktische Erfahrungen mit möglichen Wunschberufen sammeln. Denn die Berufswelt ist vielfältig: Ob Polymechaniker, Drogistin, Schreiner, Sanitärinstallateur, Gartenbauer, Maurer, Elek­troniker oder Konstrukteur – gerade handwerkliche und technische Berufe bieten spannende Entwicklungsmöglichkeiten. Wer sich noch nicht sicher ist, welcher Weg der richtige sein könnte, erhält hier die Gelegenheit, Fragen zu stellen, eigene Interessen zu entdecken und bisher unbekannte Berufsfelder kennenzulernen.

Das regionale Gewerbe öffnet seine Türen

Was steckt hinter den Türen eines Gewerbebetriebs? Welche Ausbildungsmöglichkeiten gibt es in der Umgebung? Antworten darauf bot der Gewerbeverein Stein am Rhein mit seiner zweiten Tisch- und Ausbildungsmesse. Mehrere Dutzend Unternehmen, ein Verein sowie die Wirtschaftsförderung des Kantons Schaffhausen präsentierten ihre Tätigkeiten und Angebote. Das unkomplizierte Konzept schafft Raum für persönliche Begegnungen: An den Ausstellertischen können Fragen gestellt, Kontakte geknüpft und berufliche Möglichkeiten ausgelotet werden. Das Angebot richtet sich dabei nicht nur an Jugendliche, sondern ebenso an Erwachsene, die das regionale Gewerbe und seine Dienstleistungen näher kennenlernen möchten. Gewerbevereinspräsident Antonio Alibrando zeigte sich erfreut über die Entwicklung der Veranstaltung. Nach der Premiere 2025 habe man die Aussteller befragt und deren Rückmeldungen in die diesjährige Durchführung einfliessen lassen. So wurde die Ausstellungsfläche vergrössert, die Sichtbarkeit verbessert und die Zusammenarbeit mit den Oberstufenschulen intensiviert. Besonders erfreulich sei, dass über 70 Prozent der angemeldeten Aussteller Lernende ausbilden. Einige Betriebe konnten dank der Kontakte an der letztjährigen Messe ihre Lehrstellen für das kommende Ausbildungsjahr bereits frühzeitig besetzen.

Mehr Schulklassen, mehr Begegnungen?

Ganz zufrieden ist Alibrando allerdings nicht: Gegenüber dem Vorjahr sei ein Besucherrückgang festzustellen gewesen. Insbesondere das Interesse der Oberstufenschülerinnen und -schüler sei hinter den Erwartungen geblieben. Auch Martin Schönenberger, Schulleiter der Oberstufe Stein am Rhein, hat dies beobachtet. Dennoch findet er lobende Worte für das Engagement des örtlichen Gewerbes und die gute Zusammenarbeit mit dem Gewerbeverein. In verschiedenen Gesprächen wurde deshalb angeregt, die nächste Messe bereits am Freitagnachmittag zu eröffnen. So könnten Lehrpersonen ihre Klassen während der regulären Unterrichtszeit begleiten. Für die Jugendlichen ergäbe sich damit eine zusätzliche Gelegenheit, mögliche Lehrbetriebe kennenzulernen und erste Kontakte zu knüpfen.

Ein Blick Richtung Jubiläumsjahr

Die zweite Austragung hat gezeigt, wie wertvoll die Messe für den Berufsnachwuchs und die regionale Wirtschaft ist. Gleichzeitig besteht Potenzial, noch mehr Jugendliche anzusprechen. Eine weitere Durchführung im kommenden Jahr bietet dafür beste Gelegenheit – zumal der Gewerbeverein Stein am Rhein 2027 sein 150-jähriges Bestehen unter anderem mit einer grossen Leistungsschau vom 28. bis 30. Mai 2027 feiert. Denn eines hat die diesjährige Messe deutlich gemacht: Die berufliche Zukunft beginnt oft mit einer einfachen Begegnung – und manchmal reicht ein einziges Gespräch, um eine neue Perspektive zu eröffnen.

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