(tb) «Soyez le bienvenu, Monsieur le Président de la Confédération, chez nous à Télé D», in einwandfreiem Französisch begrüsste Moderator Thomas Burkhardt am vergangenen Donnerstag den Bundespräsidenten Guy Parmelin im Studio von Tele D in Diessenhofen. Das anschliessende Gespräch wurde auf Deutsch geführt. «Diese Woche waren Sie in Indien und heute an der Olma. Wie verkraften Sie diesen schnellen Wechsel von der Weltpolitik zu einer Landwirtschaftsmesse?», wollte der Moderator wissen. Parmelin bestätigte, dass sein Amt Flexibilität verlange und auch gewisse Sprachenkenntnisse voraussetzt. Das Abkommen mit dem bevölkerungsreichsten Land (1,4 Milliarden) und der kleinen Schweiz (neun Millionen) ist seit dem 1. Oktober 2025 in Kraft. Indien erwartet Investitionen von 100 Milliarden Franken von Schweizer Firmen, die Schweiz erwartet Exporte in einen riesigen Markt. Es gebe noch Anlaufschwierigkeiten. Doch die Gespräche mit Premierminister Modi seien positiv verlaufen und er sei optimistisch. Freihandelsabkommen hätten allgemein einen schweren Stand, so dasjenige mit Malaysia wegen des Palmöls umstritten. Auch jenes mit südamerikanischen Staaten – «Mercosur» – sei gerade bei den Bauern wegen des Imports von billigem Rindfleisch nicht gern gesehen. Der Moderator Thomas Burkhardt warf ein, dass ohne den Import von Rinderdärmen aus Südamerika unsere Nationalwurst, der Cervelat, nicht produziert werden könnte. Handel basiere halt auf Geben und Nehmen. Gegen beide Abkommen wurde das Referendum ergriffen. Wie er auf die Idee mit der berühmten roten Dächlikappe «Switzerland – great since 1291» gekommen sei? Ursprünglich habe der Schweizer Botschafter in Neuseeland 2017 diese Mütze kreiert. Er habe noch ein Exemplar bei sich zuhause gefunden und gedacht, dass er eine solche auf eine Mission nach Amerika anziehe. Er hätte nie gedacht, dass sein Auftritt auf eine so grosse Resonanz stossen würde.
Änderung des Kriegsmaterialgesetzes
Die Änderung des schweizerischen Kriegsmaterialgesetzes (KMG), die vom Parlament am 18. und 19. Dezember 2025 beschlossen wurde, steht am 29. November 2026 nach einem ergriffenen Referendum zur eidgenössischen Volksabstimmung. Dazu sagte Parmelin, dass der Bundesrat bei ausserordentlichen Umständen von den bisherigen gesetzlichen Bewilligungskriterien abweichen dürfe. Im Kern geht es darum, beim Waffenexport flexibler reagieren zu können, dies freilich unter der Wahrung des Neutralitätsrechts. Für die einheimische Rüstungsindustrie sei diese Änderung überlebenswichtig.
Pläne für den Ruhestand und Nachfolge
Was der Bundesrat denn für die Zeit nach dem 1. Januar 2027 plane? «Zunächst will ich mehr Zeit mit meiner Frau Caroline, der Familie und Freunden verbringen», antwortete Parmelin. Er habe in den elf Jahren als Bundesrat viele interessante, aber auch schwierige Jahre durchlebt, wie zum Beispiel die Corona-Zeit und den Ukraine-Krieg. Die Schweiz sei politisch stabil und finanziell dank tiefer Staatsschulden gut aufgestellt. Dies sei allerdings keine Einladung zum Dornröschenschlaf, sondern das Fundament, die grossen Herausforderungen dieser turbulenten Zeit mutig anzugehen. Er selbst würde eine Nachfolgerin bevorzugen. In seiner Arbeit habe er täglich erfahren, dass Frauen in jeglicher Stellung tüchtig und effizient arbeiten. Es fielen Namen wie Céline Amaudruz (GE), Esther Friedli (SG, die mittlerweile aber abgewunken hat) und Nathalie Rickli (ZH). Guy Parmelin freut sich auf seinen Ruhestand im waadtländischen Weindorf Bursins, wo er vor seiner Bundesratszeit mit seinem Bruder ein Weingut betrieb. Das Familienmotto der Familie Parmelin lautet denn auch: «Du pain, du vin de Bursins –soyez malin, buvez Parmelin: Brot, Wein aus Bursins – sind Sie schlau, trinken Sie Parmelin».









