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Aktuell

Berlingen ist im längeren Ausnahmezustand

Die erste Etappe der Sanierung der Seestrasse hat vor einer Woche begonnen

Schülerlotsen sorgen dafür, dass die Berlinger Schulkinder sicher durch die Umfahrung kommen. Der Schleichverkehr durchs Oberdorf hielt sich gestern Montag gegenüber der letzten Woche in erfreulichen Grenzen.

(kat) Die Bauarbeiten für die Sanierung und die Aufwertung der Berlinger Hauptverkehrsachse haben anfangs letzter Woche ihren Anfang genommen. In den kommenden Monaten werden auf einem Abschnitt der See- und Bahnhofstrasse sämtliche Leitungen erneuert, dazu kommen die Zugänge für die Seewärmeleitungen. Der Durchgangsverkehr auf der Seestrasse wird von Ermatingen aus über den Seerücken nach Steckborn umgeleitet und umgekehrt. Nach Abschluss der ersten von vier Etappen, im Mai 2027, wird die Strasse für den Durchgangsverkehr wieder geöffnet.

Langsam durch die Umfahrung 

Der Verkehr innerhalb des Dorfes wird in der aktuellen Bauphase hinauf zum Bahnhof und durch das Oberdorf geleitet, also mitten durch die Wohnquartiere. An einer Stelle ist die Umfahrung kurvig, schmal und unübersichtlich. Wer dort zu schnell fährt, riskiert einen Zusammenstoss mit dem Gegenverkehr oder einen Platten, wenn er beim Ausweichen über die Einfassung am Strassenrand gerät. Es ist also Vorsicht geboten. Auch für Velofahrer und FussgängerInnen wurde eine Umleitung signalisiert. Ebenfalls eine Herausforderung ist der zusätzliche Verkehr für die Schulkinder, liegt doch der Schulweg für die meisten von ihnen im Bereich der Umfahrung. Schulleiterin Nadine Hörler hat mit Unterstützung der Eltern einen Lotsendienst organisiert. 

Wer darf noch rein? 

Die umliegenden Gemeindestrassen sind mit Fahrverbotstafeln und dem Zusatz «Anwohner und Zubringer gestattet» versehen. Unter «Zubringer» versteht das Strassenverkehrsgesetz sämtliche Verkehrsteilnehmer, die nach Berlingen wollen – auch wenn sie nichts «zubringen» ausser ihrer Präsenz. Alle Berlinger Restaurants, Gewerbebetriebe und Heime sind nach wie vor erreichbar. 

Mit Kontrollen ist zu rechnen

Die Verantwortlichen der Gemeinde Berlingen hatten bereits vorgängig Kontakt zur Kantonspolizei Thurgau. Es gilt schliesslich, den Durchgangsverkehr davon abzuhalten, die Abkürzung durchs Dorf zu nehmen. Ralf Frei von der Medienstelle der Kapo: «Die Einhaltung der Verkehrsregeln im Zusammenhang mit der Sperrung wird im Rahmen der normalen Patrouillentätigkeit und nach Möglichkeit mit gezielten Aktionen kontrolliert.» In der Theorie müsste die Kapo alle drei Dorfzugänge kontrollieren und jene Verkehrsteilnehmer, die das Dorf nach kurzer Zeit wieder verlassen, büssen. Diese Variante sei denkbar, schreibt Frei. Es gebe noch weitere Möglichkeiten, fehlbare Lenkerinnen und Lenker zu identifizieren; welche das sind, gibt die Kapo aber aus taktischen Gründen nicht preis. Eine Busse fürs Fahren trotz Verbot kostet gemäss Bussenkatalog 100 Franken.  

Ein Ausnahmezustand

Die Berlingerinnen und Berlinger müssen sich (mit Ausnahme der Sommermonate, in denen die Seestrasse jeweils offenbleibt) auf einen vier Jahre dauernden Ausnahmezustand einstellen. Die örtliche Umfahrung bringt den Verkehr bei manchen direkt vor die Haustür, es gibt Baustellenlärm, es wird stauben. Gemeindepräsident Ueli Oswald dazu: «Eine Baustelle über eine so lange Zeit wird Einschränkungen bringen und sicher auch Nerven kosten. Entscheidend wird sein, dass wir mit allen Betroffenen im Gespräch bleiben, Verständnis füreinander zeigen und Probleme möglichst gemeinsam lösen. Ich bin überzeugt, dass Berlingen diese anspruchsvolle Zeit bewältigen wird». Am Schluss des grossen Projekts, im Jahr 2029, winken intakte Werkleitungen (den zahlreichen Wasserrohrbrüchen der vergangenen Jahre wird fast niemand hinterhertrauern) und ein Heizsystem, das einen Teil der Häuser mit sauberer Fernwärme versorgt sowie, laut Oswald, «eine prächtige neue Seestrasse».

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