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Aktuell

Als Zuzüger Politik mitgestalten

Brahim Izem, Vize-Gemeindepräsident von Salenstein, denkt optimistisch

Identifikation mit der Wahlheimat kommt erst über ein Amt oder Engagement, findet Brahim Izem.

(jus) Brahim Izem ist Vize-Gemeindepräsident von Salenstein. Er ist dankbar, als Zuzüger politisch mitgestalten zu können und ermutigt, es ihm nachzutun. Was in Grossstädten Normalität ist, ist in einer kleinen Gemeinde wie Salenstein eher aussergewöhnlich. Brahim Izem ist seit 2023 Vize-Gemeindepräsident des Unterseedorfes mit gut 1300 Einwohnenden. Warum auch nicht, schliesslich hat er einen Schweizer Pass. Sein Name verweist auf sein Geburtsland Marokko, das er mit Anfang 20 fürs Studium in Deutschland verliess. Seit 1996 lebt er in der Schweiz, ist verheiratet mit einer Schweizerin und hat zwei erwachsene Söhne. Seit 2015 wohnt er in Salenstein. Von Beruf ist Brahim Izem Elektroingenieur mit einem Master in Betriebswirtschaft. Politik gehört aber seit ehedem zu den Interessenfeldern des vielseitig interessierten 63-Jährigen. 

2012 kandidierte er als Nichtmitglied der CVP als Kantonsrat. «Ich war damals Pendler und diskutierte im Zug immer mit Ernst Zülle (ehemaliger Stadtrat in Kreuzlingen) über Politik und er fragte mich für die Liste an», sagt Brahim Izem. «Ich erhielt 841 Stimmen». 2016 versuchte er es mit einer Gemeinderatskandidatur in Salenstein. Ihn kannte damals niemand im Dorf und so ging er von Tür zu Tür, um Unterschriften zu sammeln. 2018 klappte es dann mit dem zweiten Anlauf ins Wunschressort Technische Werke. Er setzte sich sogar gegen zwei Ur-Salensteiner durch.

Dazulernen durch Engagement
Den Schweizer Pass zu haben, sei eine Sache, findet Brahim Izem. «Aber die Identifikation kommt erst über ein Amt oder Engagement». Er ermutigt auch andere Zuzügerinnen und Zuzüger, diesen Schritt zu gehen. «Dabei lernt man so viel». Sein Ressort fordert ihn, die Technischen Werke setzen sich mit allem auseinander, was mit Strom, Wasser und Infrastruktur zu tun hat. «Ich trage eine grosse finanzielle Verantwortung». Wichtig ist ihm, den offenen Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern zu pflegen und Hintergründe zu erläutern, damit alle verstehen, warum welche Massnahmen durchgeführt werden müssen. Es sei immer wieder schön, wenn er bei einer Gemeindeversammlung spüre, dass der Gemeinderat das Vertrauen der Bevölkerung hat. Er weiss, dass sein Ziel, in seinem Ressort eine schwarze Null zu erreichen, eher utopisch ist. Doch Brahim Izem beschreibt sich als Optimisten. Vielleicht, weil er durch sein Mathematikstudium gewohnt ist, lösungsorientiert zu denken. Dabei möchte er sich als Akademiker nicht abheben, sondern auf Augenhöhe mit seinen Mitmenschen sein – Bescheidenheit, Authentizität und Respekt, sind Eigenschaften mit denen er sich beschreibt. Und der Wille, Neues zu lernen. «Ich vertiefe mich gerne in Themen und nehme meine Aufgabe ernst». Er macht keinen Hehl daraus, dass es auch Skeptiker gegenüber seiner Person gab; «als ich kandidierte, bin ich aber auch in der Dorfbeiz angesprochen worden, dass es super sei, dass ich das mache».

Bestätigung durch eindeutiges Ergebnis
Dass er dann mit deutlichem Ergebnis in den Gemeinderat gewählt wurde, sieht er als Zeichen. 2023 kam dann das Amt des Vize-Gemeindepräsidenten dazu. Als er kürzlich der Abstimmung beiwohnte, war Brahim Izem gerührt, wie gut das Wahlsystem in der Schweiz funktioniert: «Ich komme ursprünglich aus einer Monarchie, in der die freie Meinungsäusserung zumindest damals keine Selbstverständlichkeit war», sagt er mit Blick auf Marokko. Könnte er sich auch vorstellen, irgendwann noch eine Stufe höher zu gehen, und als Gemeindepräsident zu kandidieren? «Wenn ich vorgeschlagen würde, würde ich mir diesen Schritt sorgfältig überlegen. Beim Gemeindepräsidium liegen die Nuancen in der Kommunikation mit der Bevölkerung. Das ist nicht das gleiche, wie Projekte zu bewerkstelligen», sagt er bedächtig. Er schätze die Zusammenarbeit mit dem aktuellen Gemeindepräsidenten Bruno Lorenzato sehr, ebenso mit dem Gemeinderat-Team, wo aber bald drei Ämter frei werden. «Ich wünsche mir wieder ein so gut funktionierendes Team und kann nur ermutigen: Es ist eine lehrreiche Tätigkeit, die Spass macht. Und man nimmt viel mit für die persönliche Entwicklung».

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