Aktuell

Grundwasserspiegel im Thurgau sinkt weiter

Ernste Lage der Wasserversorgung Seerücken West mit Eschenz, Mammern, Homburg, Herdern und Hüttwilen

So verdörrt wie diese Rasenfläche in Unterhörstetten sehen derzeit aufgrund der Trockenheit fast alle Rasenflächen im Thurgau aus.

 

(id/fg) Aufgrund der anhaltenden Trockenheit im Kanton Thurgau ist der Pegel des Bodensees auf einem Rekordtief, viele Flüsse und Bäche führen nur noch wenig bis kein Wasser und der Grundwasserspiegel sinkt zusehends. Der Fachstab Trockenheit des Kantons Thurgau ruft die Bevölkerung deshalb zum haushälterischen Umgang mit Wasser auf. Ein Ende der Trockenheit und damit eine Rückkehr auf normale Zustände ist derzeit nicht in Sicht.
Der Fachstab Trockenheit des Kantons Thurgau hat vergangenen Mittwoch erneut getagt. Laut den Experten sinkt das Grundwasser infolge der deutlich unterdurchschnittlichen Niederschläge der letzten Monate stetig. Die meisten Messstationen des Grundwasservorkommens im Thurtal zeigen sehr tiefe Wasserstände auf, die zum Teil weit unter dem Mittelwert liegen. Der Fachstab Trockenheit ruft deshalb die Thurgauer Bevölkerung auf, haushälterisch mit Wasser aus dem Hahn umzugehen und es als wichtiges Nahrungsmittel zu betrachten. Etwa auf das Bewässern von Rasenflächen, das Autowaschen oder das Befüllen von Schwimmbecken soll verzichtet werden. 18 Gemeinden und zwei Zweckverbände haben Engpässe in der Wasserversorgung gemeldet. Einzelne Gemeinden haben ausserdem bereits verbindliche Einschränkungen erlassen.

Appell zum Wassersparen
Schon Ende Juli kam es zu einem Aufruf der Gemeinde Homburg, in dem zum Wassersparen ermuntert wurde. Die akute Wasserknappheit hat sich seitdem nicht gelegt. Temperaturen von mehr als 30 Grad und sehr geringe Niederschlagsmengen haben vielmehr dazu geführt, dass es schwierig ist, die Wasserpegel in den Reservoiren zu halten. «In Homburg beziehen wir unser Wasser vom Seewasserwerk in Steckborn, aus dem Pfyner Thur-Grundwassersee und aus eigenen Quellen. Wegen der anhaltenden Trockenheit verbunden mit den hohen Temperaturen ist die Leistung unserer Quellen kontinuierlich gesunken», berichtet der Homburger Gemeindepräsident Thomas Wiget. Gleichzeitig ist jedoch der Wasserverbrauch gestiegen, weshalb schon früh, Ende Juli, zum Wassersparen aufgerufen wurde. So wird beispielsweise ermahnt, auf das Waschen von Autos zu verzichten, den persönlichen Wasserverbrauch zu reduzieren und das Befüllen von Schwimmbecken oder die Bewässerung von Rasenflächen sind gar verboten. «Auf alles, was nicht zwingend nötig ist, soll möglichst verzichtet werden, denn die Pumpen der Wasserwerke laufen bereits auf Höchstleistung. Andernfalls könnte es im Ernstfall, zum Beispiel bei einem Brand, zu Engpässen kommen», befürchtet Wiget.
In der Gemeinde Eschenz wurde ebenfalls mittels eines Flugblatts zu solchen Wassersparmassnahmen aufgerufen. «Glücklicherweise hat der Aufruf Wirkung gezeigt und der Wasserverbrauch pro Kopf wurde gesenkt, denn die Quellen auf unserem Gemeindegebiet liefern nicht mehr so viel Wasser», erklärt Claus Ullmann, Gemeindepräsident von Eschenz.

Keine Entspannung in Sicht
Dem Fachstab Trockenheit des Kantons Thurgau bereitet aus­serdem Sorge, dass derzeit kein Ende der Trockenheit in Sicht ist. Auch der angekündigte Regen von Ende dieser Woche wird kaum Besserung bringen. Der Wasserstand des Bodensees liegt derzeit rund 80 Zentimeter unter dem langjährigen Mittelwasserstand. Der lokale Regen vom 1. August brachte bei Bächen und Flüssen zwar für kurze Zeit eine Besserung, die Pegel fielen dann aber wieder auf das tiefe Niveau von vorher zurück. Eine dauerhafte Erholung ist nicht absehbar.
Für eine wirkliche Entspannung der Lage müsste es laut Wiget schon mehrere Tage hintereinander regnen. Claus Ullmann sieht eine Entspannung sogar erst in ein oder zwei Monaten kommen, wenn es längere Zeit Regen geben wird, damit das Wasser wieder in die tieferen Bodenschichten und damit in die Quellgebiete auf dem Seerücken gelangen kann. Ullmann vermutet, dass dies erst im Spätherbst der Fall sein wird. Er ist aber guter Dinge, dass mit Hilfe der Wassersparmassnahmen der Bevölkerung die angespannte Situation überwunden werden könne. Dabei seien Verbote und Zwang zurzeit keine Lösung, Eigenmassnahmen und Verständnis seien der bessere Weg, so Ullmann.

Wasserentnahme- und Feuerverbot weiterhin in Kraft
Das Wasserentnahmeverbot für Oberflächengewässer im Kanton Thurgau gilt weiterhin. Ausgenommen vom Wasserentnahmeverbot sind weiterhin lediglich der Rhein, der Bodensee sowie das Grund- und Quellwasser. Die Jagd- und Fischereiverwaltung ist in Zusammenarbeit mit Fischern noch immer bemüht, Fische aus Fliessgewässern, die zu versiegen drohen, zu retten. Bislang wurden in insgesamt 40 Fliessgewässern im Kanton Thurgau rund 58 Kilometer abgefischt. Ebenfalls weiterhin in Kraft ist das totale Feuer- und Feuerwerksverbot, das der Regierungsrat am 30. Juli ausgesprochen hat. Auf dem Gebiet des Kantons Thurgau ist es deshalb verboten, im Freien Feuer zu entfachen sowie brennende Streichhölzer und Raucherwaren wegzuwerfen oder Feuerwerkskörper abzubrennen.