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Grandioser Auftakt ins zehnte Jahr

Eröffnung des zehnten nordArt-Theaterfestivals in Stein am Rhein zog die Zuschauer in ihren Bann

nordArt-Theaterfestival-Organisatoren Katja Baumann und Simon Gisler (rechts) mit Stadtpräsident Sönke Bandixen (2vl) und Regierungspräsident Christian Amsler bei der offiziellen Eröffnung des Festivals in Stein am Rhein.

 

(uj) Es war ein grandioses Spektakel, das die Cie l’Homme debout den mehreren hundert Zuschauern am Mittwochabend in Stein am Rhein bot. Die aus Poitiers, Frankreich, stammende Gruppe bewegte ihre Riesenmarionette Vénus durch die Altstadt, liess sie immer wieder andersfarbig beleuchtet und zu heissen Rhythmen über die Brücke tanzen und tänzeln. Dann wieder ging sie in die Irre, strauchelte, um sich alsbald wieder zur vollen Grösse ihrer acht Meter zu erheben. Dazwischen gestreut waren immer wieder auch poetische Augenblicke mit leiser musikalischer Untermalung. Besonders berührend die kleine Szene vor der Kulisse der Stadtkirche, wo Vénus ihren Koffer öffnete, daraus eine Blume ersteigen liess und sich über sie neigte. Da erloschen selbst die Gespräche der Zuschauer für einen Moment, die den Strassenrand säumten, zu magisch und anrührend das Geschehen. Dass sie aber auch anders konnte, zeigte Vénus, als sie zum Abschluss ihrer Reise durchs Städtchen in den Rathausplatz einbog. Dort tanzte sie, schwang die Beine, hob rhythmisch die Arme und neigte auch immer wieder ihren Kopf. Was so leicht aussah, war freilich Schwerarbeit für die Spieler, die den aus Weidenrohr geflochtenen Riesen bewegten. Auch die zwei Männer, die dessen Beine tanzen liessen, bewegten sich in schnellem Rhythmus hin und her, und die Frau, die auf einer Leiter stehend die Kopfbewegungen steuerte, hing förmlich in den Seilen. Ihre abschliessende Verneigung dankten die Zuschauer der Vénus mit einem tosenden, lange anhaltenden Applaus.

Regierungspräsident Christian Amsler würdigt Festival
Zuvor hatte im Asylhof die offizielle Eröffnung des zehnten nordArt-Theaterfestivals stattgefunden. Organisator Simon Gisler und Organisatorin Katja Baumann standen gemeinsam vor dem Mikrofon. «Wir sind an den Ansprüchen der letzten neun Jahre gewachsen», betonten sie, sowohl an den eigenen als auch an denjenigen des Publikums. Sie liessen die zahlreichen Begegnungen aufleben, einerseits diejenigen mit den Künstlern, jungen und arrivierten. Gisler führte andrerseits auch die vielen Kontakte zu den Steinern an und erinnerte sich an viele strahlende Kinderaugen, wenn sie von der Aufführung kamen. In den vergangenen neun Jahren entwickelte sich das nordArt-Theaterfestival stetig weiter und das Programm wurde ausgebaut. «Wir denken dankbar zurück, gehen aber auch voller Begeisterung vorwärts ins zehnte Jahr», endete Gisler und übergab das Wort an den Schaffhauser Regierungspräsident Christian Amsler. «Besser als in Stein am Rhein kann Kleinkunst nirgends zur Geltung kommen», betonte Amsler. Gleichzeitig würdigte er die grossartige Leistung der Organisatoren – «zehn Jahre Kleinkunst, aber ganz gross – aber auch der zahlreichen Helfer, die das Ganze erst möglich machten.
Stadtpräsident Sönke Bandixen lobte die gute Zusammenarbeit mit den Organisatorinnen und Organisatoren und hob vor allem ihre Professionalität hervor. Immer Neues und Spannendes sei zu sehen gewesen, darunter auch manche Trouvaillen, was jedes Jahr mehr Besucher angezogen habe. Diesem Engagement zollte die Stadt Respekt und verdoppelte ihren Beitrag ans Festival. Nach einem kurzen Zwischenspiel durch Dirk Langer alias Nagelritz stimmte Leila Gisler die anwesenden Gäste auf die bevorstehende Strasseninszenierung durch die Cie l’Homme debout ein – und versprach dabei nicht zuviel, wie der eingangs beschriebene Auftritt bewies.